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am 3. September 2019

Qual der Wahl

Der Wolf - Das meint der Wolf

Qual der Wahl

​Neulich auf der Waldwiese hat der Wolf sich zu den Murmeltieren gesellt, weil er wissen wollte, was die einzelnen Parteien, die für die Wahl zum Großen Rat der Tiere kandidieren, so auf ihrem Programm haben. Da erfuhr er, dass sowohl die jungen Türkistauben und alten Schwarzspechte, als auch die Rotfüchse, die rosa Heideröslein und selbst die rüden Blauraken den Klimawandel als vordringlichstes Problem thematisieren. Dem Wolf ist das durchaus recht, denn das dicke Fell, das ihm bei der Auseinandersetzung mit so manchem groben Waldbewohner sehr zugute kam, könnte ja doch bei Klimaerwärmung ungemütlich werden. Aber, denkt er sich, haben das nicht die Grünfinken seit Jahrzehnten von allen Ästen und Dächern gepfiffen? Ansonsten versprechen die einen eine Steuersenkung, ohne dass dadurch Leistungen des Rates verringert würden - die anderen wollen neue Steuern einführen, die aber niemandem etwas kosten sollten.

Das alles kennt der Wolf schon. Neu ist ihm hingegen eine Sinnesänderung bei den Blauraken, die sich nicht deutlich von den Ansichten ihres ehemaligen Anführers distanzieren. Der hat nämlich der bisherigen “Ausländer raus” Politik eine gegensätzliche “Ausländer rein” Strategie entgegengesetzt (Übernahme der Lieblingszeitung der Waldbewohner durch ausländische Mächte, Vergabe von öffentlichen Aufträgen nicht an fleißige heimische Biber sondern an russische Bären). Aber in der Demokratie (Volksherrschaft) im digitalen Zeitalter zählen halt Facebook Follower ebenso viel wie Wählerstimmen. Und schon gar nicht Argumente!

Das missfällt dem Wolf.​  (1.9.2019)