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Das sagen wir zu:

Der Wolf meint...

Wir wollen:

  • Einfach nur zum Nachdenken anregen
  • Zwischendurch mal Unterhalten

Corona-Blues​

Der Wolf schleicht gedrückt durch den verlassenen Wald. Die Vögel hocken in ihren Nestern und die Murmeltiere haben sich in ihrem Bau verkrochen. Keine Menschenseele ist zu sehen: Das Rotkäppchen darf nicht mehr zur Großmutter, der Jäger hat sein Gewehr weggelegt und schlichtet im Supermarkt Klopapier in die leergefegten Regale, Hänsel hat sich zum Zivildienst gemeldet und Gretl macht Dienst in einem Pflegeheim. Das tapfere Schneiderlein näht Schutzkleidung und Doktor Eisenbart intubiert Schwerkranke auf der Intensivstation. 

Da steht am Waldrand ein verwittertes Schild auf dem steht: „Geht’s der Wirtschaft gut, so geht’s den Menschen gut”. Der Wolf schüttelt den Kopf und schnieft durch seine Schutzmaske. Das hat er nie so gesehen, und recht hat er. Da hat die Wirtschaft geboomt, die Geschäfte waren voll von Waren aus aller Herren Länder, selbst aus China. Flugzeuge zogen ihre Kondensstreifen kreuz und quer über den Himmel, man konnte es sich leisten in ferne Gegenden zu fahren und von dort allerlei mitzubringen. Die Wintersportorte lagen im Partyfieber. 

Plötzlich ist alles anders, das Fieber aus den Partys heißt nun COVID 19 und macht die Menschen krank, manche sterbenskrank. 

Den Menschen geht’s schlecht, und siehe da - nun geht’s der Wirtschaft schlecht. 

Das Karussell von kaufen und verkaufen dreht sich kaum mehr, die langen Wege von Waren und Arbeitskräften sind von Grenzen unterbrochen, Betriebe stehen still und Menschen verlieren Arbeit und Einkommen. 

Doch die Not weckt schlummernde Kräfte: Menschen, die zur Aufrechterhaltung unserer Gesellschaft notwendig sind - von der KassierIn im Supermarkt bis zu den Ärzten - trotzen dem Risiko einer Infektion, Egoismus weicht der Solidarität, wir lernen die Vorteile von Nahversorgung und der Unabhängigkeit von langen Lieferketten kennen. Anstatt politischem Zwist herrscht weitgehend Einigkeit, wir sind bereit manche persönlichen Freiheiten auf staatliche Anordnung einzuschränken und der Glaube an die alles regulierende Macht des freien Marktes schwindet. 

Das macht den Wolf optimistisch, die Pandemie wird vorbei gehen, die Welt wird zwar nicht mehr so sein wie vorher, aber nicht notwendige Weise schlechter. Vielleicht können wir einige der Erkenntnisse aus der Krise in unser normales Leben mitnehmen. Dann steht vielleicht auf der Tafel „Geht´s den Menschen gut, so geht’s der Wirtschaft gut”, hofft

der Wolf​ (3.4.2020)


Kurze Beine und lange Nasen​


Der Wolf ärgert sich: Seit die Grünfinken Bedenken gegen die Errichtung eines übergroßen Taubenschlages in der Mitte des Waldes geäußert haben, trommeln die Schwarzspechte, dass die Grünfinken überhaupt gegen günstigen Nestbau seien. Außerdem werfen sie ihnen vor, Gegner der Jungspatzen zu sein, nur weil sie sich Gedanken machen, was man außer lautem Gezwitscher in deren Versteck noch machen könnte. Da fällt ihm auf, dass die Schnäbel der Schwarzspechte immer länger werden! “Was kann das bedeuten?” fragt er die weise Eule. “Du kennst doch die Geschichte von Pinocchio, dem kleinen hölzernen Hampelmann, dessen Nase immer wuchs, wenn er etwas gesagt hatte, das nicht stimmte! Vögel haben aber keine Nasen, da muss halt der Schnabel herhalten!”. Also so ist das, meint der Wolf nachdenklich.​

Der Wolf (10.2.2020)

Der Wolf wählt!

Der Wolf fiebert der Gemeinderatswahl am Sonntag entgegen. Dazu liest er begierig alle Informationen zu diesem wichtigen Ereignis. Da flattert ihm eine Broschüre in den Farben Niederösterreichs - Blau-Gelb -  vor die Pfoten. Aha, denkt er, das Land Niederösterreich nimmt zu wichtigen Dingen, die Wahl betreffend, Stellung. Doch dann stellt sich heraus, dass es ein Pamphlet der Mehrheitsfraktion in seiner Gemeinde ist. Also: Land = ÖVP? Oder Gemeinde=ÖVP? Er studiert es gewissenhaft und findet ein paar Dinge drin, die ihm neu sind:  So zum Beispiel, dass das Jugendzentrum von der Mehrheitsfraktion (“Wir führen in Wolfsgraben ein Jugendzentrum..”) betrieben wird. Der Wolf dachte bisher, es sei von der Gemeinde eingerichtet und finanziert - damit von den Geldern aller Wolfgrabener BürgerInnen! Und dass die Grünen die Errichtung von leistbaren Wohnraum mit “System” verhindern bzw. verzögern? Auch wird der Opposition pauschal vorgeworfen, nicht zu wissen, was im Ort geleistet wird. Dazu werden beispielsweise eine Reihe von Veranstaltungen aufgelistet, die  zum Teil von der Gemeinde, zum überwiegenden Teil aber von Privatpersonen oder Institutionen wie die Pfarre oder Feuerwehr ausgerichtet werden. Ist das ein Verdienst der ÖVP, fragt sich der Wolf? Zudem vermisst er in dieser Aufzählung die Veranstaltungen der Grünen, wie Kultur unter Sternen, das Herbstfest oder die Adventunterhaltung für Kinder.

Im Strassengraben findet der Wolf ein paar vorgedruckte Wahlzettel. Aha, denkt er sich, es gibt ja sicherlich Leute, die des Lesens und Schreibens nicht kundig sind und daher in der Wahlzelle auf dem amtlichen Wahlzettel nicht wissen, wo sie das Kreuzerl zu machen haben. Für die ist offensichtlich dieses Bürgerservice gedacht. Nett, findet der Wolf - aber ist das der Demokratie dienlich? Da klemmt er sich lieber den Stift zwischen die Zehen seiner Pfoten und kreuzt die für ihn richtige Stelle an.

Mit “Wir sehen uns am Sonntag bei der Wahl” verabschiedet sich

Der Wolf​ (21.1.2020)


Verkehrte WELT

Der Wolf ist konsterniert: Im Wald herrscht große Aufregung, nicht weil der Fuchs die Gans gestohlen hat, sondern weil er dabei “hinterrücks, unfair und aus dem Hintergrund” mit einer Wildkamera gefilmt wurde, ohne dass er davon informiert war. Aber dann liest der Wolf in den Niederösterreichischen Nachrichten dieselben Worte der Empörung aus dem Mund der Freiwilligen Feuerwehr, die beim Aufstellen von Wahlplakaten für die Mehrheitspartei fotografiert worden war, worüber die NÖN berichtete. Aber die Umkehr von Tätern zu Opfern ist ja eine häufig praktizierte Strategie: so herrschte über die Tatsache, dass ein Spitzenpolitiker “zack, zack, zack” sein Land an ausländische Oligarchen verkaufen wollte weniger Empörung, als über den Umstand, dass diese Machenschaften durch ein geheimes Video aufgedeckt wurden. Übrigens hat auch der Fuchs ein Synergie-Argument vorgebracht: Bei der Entfernung der Gans hätte er auch die Mäuse vertrieben, die den Hühnern das Futter wegfressen könnten.​

Der Wolf.​  (15.1.2020)



Viele junge (und auch ein paar alte) Menschen demonstrieren gegen die vom Menschen gemachte Klimaänderung und für den Schutz der Natur. Zu letzterer gehört ja auch der Wald, in dem der Wolf zuhause ist. Aber die Murmeltiere murmeln und spucken Gift und Galle über die „Rotzlöffel“, die sich mit SUVs in die Schule fahren lassen, ihre Kleidung nach einmal Tragen wegwerfen und mit ihren Handys Energie und Ressourcen verschwenden, während sie in ihrer Jugend angeblich gedarbt haben. Was der Wolf nicht versteht: Wer hat denn SUVs entwickelt, vermarktet und gekauft? Wer sitzt in den Chefetagen der Billigtextil-Ketten? Wer hat Handys erfunden und allen (nicht nur den Jungen) eingeredet, dass man ohne diese nicht mehr leben kann? Die Wut der Murmeltiere entzündet sich besonders an einem couragierten Mädchen, das es sich traut Politikern und anderen Machthabern öffentlich (und nicht nur in der Deckung von Social Media Plattformen) ihre Meinung zu sagen. Selbst ihre Haartracht erregt Unmut – der Anführer der Blauraken hat sogar vor einer „Zopferldiktatur“ gewarnt! Der Wolf betrachtet sinnend dessen Kopfzier und denkt: “Lieber eine Zopferldiktatur, als eine Schopferldiktatur“.

Aber am Besten ist immer noch gar keine Diktatur, sondern demokratische Zusammenarbeit und Friede im Wald!

Das meint der Wolf (16.10.2019)


Qual der Wahl

​Neulich auf der Waldwiese hat der Wolf sich zu den Murmeltieren gesellt, weil er wissen wollte, was die einzelnen Parteien, die für die Wahl zum Großen Rat der Tiere kandidieren, so auf ihrem Programm haben. Da erfuhr er, dass sowohl die jungen Türkistauben und alten Schwarzspechte, als auch die Rotfüchse, die rosa Heideröslein und selbst die rüden Blauraken den Klimawandel als vordringlichstes Problem thematisieren. Dem Wolf ist das durchaus recht, denn das dicke Fell, das ihm bei der Auseinandersetzung mit so manchem groben Waldbewohner sehr zugute kam, könnte ja doch bei Klimaerwärmung ungemütlich werden. Aber, denkt er sich, haben das nicht die Grünfinken seit Jahrzehnten von allen Ästen und Dächern gepfiffen? Ansonsten versprechen die einen eine Steuersenkung, ohne dass dadurch Leistungen des Rates verringert würden - die anderen wollen neue Steuern einführen, die aber niemandem etwas kosten sollten.

Das alles kennt der Wolf schon. Neu ist ihm hingegen eine Sinnesänderung bei den Blauraken, die sich nicht deutlich von den Ansichten ihres ehemaligen Anführers distanzieren. Der hat nämlich der bisherigen “Ausländer raus” Politik eine gegensätzliche “Ausländer rein” Strategie entgegengesetzt (Übernahme der Lieblingszeitung der Waldbewohner durch ausländische Mächte, Vergabe von öffentlichen Aufträgen nicht an fleißige heimische Biber sondern an russische Bären). Aber in der Demokratie (Volksherrschaft) im digitalen Zeitalter zählen halt Facebook Follower ebenso viel wie Wählerstimmen. Und schon gar nicht Argumente!

Das missfällt dem Wolf.​  (1.9.2019)



Sozialpolitik


Der Wolf Ist beeindruckt! Soviel soziales Engagement hätte er den Menschen nicht zugetraut! Da verliert ein geschasster Politiker seine Funktionen und damit Gehalt und sonstige Pfründe. Doch sofort werden Pläne geschmiedet, um sicher zu stellen, dass dessen Familieneinkommen ein angemessenes Niveau behält. Dazu setzt man seine bisher in der Politik unauffällige Ehefrau auf einen Listenplatz für die kommende Nationalratswahl, der ihr den Einzug ins Parlament mit den damit verbundenen Bezügen garantiert.

Das hat es im Tierreich bisher nicht gegeben. Niemand hat sich um das Familieneinkommen des Wolfs gekümmert, als ein trophäen-süchtiger Jäger seinen Vater abgeknallt hat. Auch die Familie des Bienenfressers wartet noch darauf, dass sie dafür kompensiert wird, dass Insektizide ihr die Nahrungsquelle geraubt haben. Dabei waren alle Beide nicht an ihrer Misere schuld!

Aber jetzt wird alles anders werden! Der Wolf sieht gute Chancen, dass Frau Fuchs, deren Mann im Gefängnis sitzt, weil er die Gans gestohlen hat, als Ausgleich den Posten einer Mäusebeauftragten bekommt. Auch der Specht, der seine Position im Waldesrat verloren hat, weil man ihn beim Spechteln erwischt hat, braucht sich um seine Frau keine Sorgen zu machen - ein leitender Posten in der Holzindustrie ist ihr sicher.

Der Wolf freut sich darauf, diese Fälle der zukünftigen Nationalrätin vortragen zu können, die ja in Tierschutzsachen fleißig auf Charities unterwegs ist (im Newspeak heißt das “gut vernetzt sein”). Sie müsste ja für die Schicksale der Tierfamilien Verständnis und ein offenes Ohr haben. Mit einem shakespeareschen “Bei Philippa sehen wir uns wieder” 


verabschiedet sich der Wolf.​ (19.6.2019)

 

Der Wolf kann es kaum glauben


Da sehen Menschen, während sie auf der Couch lümmeln oder am Wirtshaustisch räsonieren, im Fernsehen wie der Führer jener Partei, die vorgibt die Anliegen der kleinen, hart arbeitenden Leute und zuallererst das Wohl Österreichs zu vertreten, im Alkohol- und Machtrausch bereit ist diese kleinen Leute an reiche Oligarchen zu verkaufen, ihre Lieblingszeitung “zack, zack, zack” zu einem willigen Medium der Reichen und Mächtigen umzupolen und damit prahlt, dass eine österreichische Firma keine Staatsaufträge mehr bekommen wird, da diese nun an eine Scheinfirma russischer Geldsäcke gehen werden, die über einen “gemeinnützigen “ Verein dann die Partei der “kleinen Leute” mit Spenden finanzieren soll. Kaum sind jedoch ein paar Tage vergangen, so geben 44.000 Wähler ihre Vorzugsstimmen “jetzt erst recht” diesem Politiker, der seine Machtgelüste vor einer “schoarfen” Unbekannten offenlegte, die er ohne nachzuprüfenfür eine russische Oligarchennichte hielt. Mit diesen Stimmen kann er nun in ein Parlament einziehen, für das er immer nur Verachtung gezeigt hat.

Der Wolf wagt es gar nicht sich vorzustellen, wie viele Vorzugstimmen es geworden wären, wenn alle Leute, die derselben Meinung sind, soweit Lesen und Schreiben könnten, um den Namen dieses Politikers in die richtige Zeile zu schreiben.

Dem Wolf ist übel und er zieht sich in den Wald zurück, um ein Kraut dagegen zu finden. Gegen Dummheit ist leider kein Kraut gewachsen.​

der Wolf (01.06.2019)

In Wolfsgraben ist was los!

Als braver Wolfsgrabener Bürger liest der Wolf das Amtsblatt. Besonders interessiert studiert er den Veranstaltungskalender, denn er möchte wissen, wo im Ort was los ist. Da ist er zunächst einmal bass erstaunt: Satte Drei-Viertel der Veranstaltungen (21) werden von der Pfarre ausgerichtet. Dagegen nehmen sich die Adventfeier der Feuerwehr und die Weihnachtsveranstaltung der Grünen bescheiden aus. Aber siehe da, die Gemeinde ist mit 6 Veranstaltungen eingetragen. Na ja, der Neujahrsempfang der Frau Bürgermeister ist schon ein bedeutender Event. Aber die Gemeinderatsitzung und die 4 Bürgermeistersprechstunden - sind das Veranstaltungen? Vielleicht doch, und es ist ganz gut, wenn man an solche Termine im Amtsblatt erinnert wird. Der Wolf schlägt daher vor, auch die Abfuhrtermine für Biomüll und den Gelben Sack als Veranstaltung des Abfallwirtschaftsverbandes, die Kehrtermine als einen Event der Fa. Kraus und die Stromzählerablesung als einen Festakt der EVN in den Veranstaltungskalender aufzunehmen. ​

Der Wolf (29.11.2018)


Der Wolf im Kirchenjahr


Der Wolf schüttelt den Kopf, dass die Ohren nur so schlackern. Gerade hat er gelesen, dass die nächste Gemeinderatsitzung in seinem Graben für den 6. (!) Dezember angesetzt ist. Das ist doch das Fest des Heiligen Nikolaus mit stimmungsvollen Abenden im Familienkreis! Wo es nach Nüssen und gebratenen Äpfeln duftet und glänzende Kinderaugen erwartungsvoll an dem Gesicht des gütigen Heiligen hängen, der aus seinem Goldenen Buch die guten Taten der lieben Kleinen - und auch ein paar kleine Missetaten - vorliest. Stolz betrachten die Eltern ihre Kinder, wenn er aus seinem großen Sack gute Gaben an die Braven verteilt und die Schlimmen väterlich mit erhobenem Zeigefinger ermahnt. Aus dieser Idylle losgerissen, müssen die vielen Eltern unter den Mitgliedern im Gemeinderat in die Sitzung eilen, wo sie sicherlich keine Idylle erwartet. Wie kann das sein, denkt der Wolf, dass in einer Gemeinde mit einer christlich-sozialen Mehrheit, deren Mitglieder brave Gottesdienstbesucher und Kenner des Kirchenjahres sind, solch eine familienfeindliche Terminsetzung passieren kann. Da hört er im Busch ein meckerndes Lachen! Hier freut sich offensichtlich einer - der Krampus!​


der Wolf (18.11.2018)


Farbenspiele

Der Wolf geht kopfschüttelnd durch den Wald. Eben hat er erfahren, dass die FPÖ ein Comeback von Udo Landbauer in der Landespolitik vorbereitet. Landbauer sei grundlegend missverstanden worden, wie auch die Texte im Liederbuch seiner Burschenschaft. Der Wolf denkt nach, was wohl tatsächlich mit “Wir schaffen die Siebente Million” gemeint sein könnte - etwa zusätzliche Mittel zum Ausbau des öffentlichen Verkehrs oder zur Unterstützung von Wissenschaft und Kunst? Da fällt ihm auf, dass der Haselnussbaum unverschämt grinst. Auf die Frage nach der Ursache der guten Laune platzt dieser heraus, er sei zum Wappenbaum der Bundesregierung vorgeschlagen worden. “Aber warum?” fragt der Wolf. Darauf der Baum: “Na kennst Du nicht das beliebte Volkslied: Türkis-blau ist die Haselnuss, türkis-blau bin auch ich!”. Gut, denkt der Wolf, dass wenigstend die Regenbogenfarben schon an eine andere Bewegung vergeben sind.

Meint der Wolf (19.08.2018)​


Wolf-Alarm


Der Wolf fühlt sich missverstanden! Die Schafe – ihrem Herdentrieb folgend – scharen sich blökend um ihr Leittier, das den Wolf böse anblickt. Dabei ist der Wolf schon lange Vegetarier und es kommt nur ab und zu vor, dass er ein kleines Schnitzel als Beilage zum Salat verzehrt. Er tut alles, damit in Wald und Flur alles zum Besten gedeiht. Eben wollte er mitwirken, einen Platz zu schaffen, wo die schwarzen Schafe, die Rotfüchse, die aktiven Eichhörnchen und alle anderen Bewohner des idyllischen (Biosphären-)Parks zusammenkommen können, um einträchtig Informationen auszutauschen, wichtige Dinge zu erledigen oder einfach sich im Zentrum des Waldes zu fühlen. Auch der Weisenrat sollte hier tagen. Die Nähe der Kirche könnte eine Gelegenheit zur raschen Beichte im Sündenfall bieten. Aber nein, die Schafe wollen ausschließlich Wohnhöhlen für Murmeltiere schaffen, die hier nur schlafen und besser nicht zu viel murmeln sollen. Vielleicht wurden ihnen dafür fette Weidegründe versprochen,


fragt sich der Wolf. (08.7.2018)



Der Wert von Sitzfleisch


Der Wolf spitzt die Ohren! Er hat gehört und auch in der Zeitung gelesen, dass es sehr darauf ankommt, wie lange man schon im Wald herumsitzt. Welche das schon sehr lange Zeit tun – also etwa seit der letzten Eiszeit – nennt man Alteingesessene. Dazu gehört der stolze Platzhirsch, das gefügige Reh, der schlaue Fuchs, aber auch das stets räsonierende Murmeltier und der faule Siebenschläfer. Der Wolf, der noch nicht so lange im Wald residiert, hat schon bemerkt, dass ihm und anderen später Eingewanderten, wie dem zierlichen Damhirsch, dem dickköpfigen Mufflon oder gar der lauten Türkentaube nicht so viel erlaubt ist, wie den Ureinwohnern. Dabei haben sich an manchen Stellen des Waldes die Neuankömmlinge schon gut eingesessen und sind in der Mehrzahl. Durch deren Aktivität fühlen sich die Alteingesessenen bedroht und ziehen sich ins Dickicht zurück, wo noch die vertrauten Urwaldverhältnisse herrschen.

Der Wolf hat aber sich daran erinnert, dass seine Vorfahren schon vor langer Zeit im Wald heimisch waren bevor sie von den heute Alteingesessenen vertrieben wurden. Er ist also ein Uralteingesessener. Als solcher fordert er ein Schutzgebiet, in welchem er sich eine Wohnhöhle einrichten kann. In dieser möchte er gemütlich seine Rechte ersitzen.

Darauf freut sich der Wolf. (16.3.2018)



Klimawandel


Der Wolf ist ein aufmerksamer Beobachter der Veränderungen des Klimas, die ja wesentlich die Lebensbedingungen im grünen Wald bestimmen. Mit Sorge hat er festgestellt, dass sich in den höheren Lagen ein rascher Wandel vollzieht. Statt der bisher vorherrschenden roten Preiselbeeren spiegeln sich plötzlich blaue Heidelbeeren im türkisen Wasser hoch gelegener Seen. Die Tatsache des Aufrückens der Blaubeeren in höhere Etagen ist nicht nur beunruhigend, sondern auch erstaunlich, da sie ja nur bei einer Erwärmung des Klimas zu erwarten wäre. Dem Wolf hingegen erscheint es seit einiger Zeit immer frostiger zu werden.

Klimaschwankungen hat es immer wieder gegeben. Auch waren die Blaubeeren schon einmal ganz oben zu finden und haben sich als Haiderbeeren breit gemacht. Ein kurzfristiges Auftreten wilder Zwergorangen hat die Ausbreitung für einige Zeit gestoppt, aber nun scheint ihr Vormarsch unaufhaltsam. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie die Gipfelregionen erreichen. Edelweiß und Enzian, die elitäre Symbole unserer kulturellen Heimat-Identität, könnten in der Gleichförmigkeit der Blaubeer-Rasen rasch untergehen, 

sorgt sich der Wolf.  (09.02.2018)


Staatliche Bevormundung


Der Wolf ist ein freiheitsliebendes Tier, das sich ungern Vorschriften machen läßt. Zwar hat er zähneknirschend hingenommen, dass er nicht überall rauchen darf und schnallt brav im November die Winterkrallen an seine Tatzen – weil da geht’s um die Gesundheit und Sicherheit anderer. Aber dass er jetzt, wenn er sich einen Schal umbinden möchte, auf’s Thermometer schauen muß oder eine ärztliche Bestätigung über seine Bronchitis dabei haben soll, stellt ihm die Nackenhaare auf. Er hofft jedoch, dass die nächste Regierung aus Menschen besteht, die auch keine staatlichen Vorschriften mögen und diesen Unfug wieder abschafft.

Schnauzenfreiheit für alle fordert

Der Wolf (27.11.2017)


Szene aus dem Böhmischen Wald


Der Wolf erinnert sich an eine Geschichte, die ihm sein Großvater aus dessen wilder Zeit im Böhmischen Wald erzählt hat. Eines Tages ruhte er im Schatten eines k.und.k. Zollhäuschens, als zwei Männer aus Böhmen die Grenze passieren wollten. Aufgehalten von Grenzwächtern und befragt, was sie da wollten, antworteten sie, dass sie Arbeit suchten, da daheim keine zu finden sei. Nach einiger Diskussion unter den Grenzern, wobei Bemerkungen fielen, wie „Da könnt ja a jeder kommen“ oder „Wer’ns net den Wienern die schöne Arbeit in den Ziegelwerken am Laaerberg wegnehmen“, durften die Beiden passieren. Aber natürlich mußten die Personalien aufgenommen werde. „Wia haßt’s denn es?“ fragte ein Grenzer. „Vaclav Sobotka“, „Jirsi Doskozil“ war die Antwort.

So einfach ist die Einwanderung nach Österreich seither nicht mehr,

meint der Wolf (26.11.2017)


Unruhe im Österreichischen Wald


Der Wolf schüttelt besorgt den Kopf über die Zustände im herbstlichen Revier. Der Rotfuchs und der Dachs – der die weißen Streifen im schwarzen Fell türkis eingefärbt hat – haben einander bisher zähneknirschend geduldet. Jetzt lassen sie das Knirschen sein und beißen einander, dass die Wad’ln nur so krachen und bis oben mit Dreck bespritzt sind. Die restliche Tierwelt leidet darunter - Häher werden zu Spähern, die harmlosen Maulwürfe kommen unter Generalverdacht. Dabei ist ja ihre charakteristische Eigenschaft, die Blindheit, bei allen Teilnehmern festzustellen. Als Folge des politischen Klimawandels werden vermehrt Chamäleons gesichtet, die jeder Seite ihre Dienste anbieten und gleich die passende Farbe annehmen. Eines davon wurde auch auf dem zarten Röschen gesichtet. Nur die Blaumeise freut sich und hofft dadurch zum Adler zu werden. Einzig auf der kleinen grünen Wiese mitten im Wald liegt noch kein Müll. Leider gibt’s kein Schwammerl mehr, das sich in das Getümmel im Wald zurückgezogen hat. Auch der Oberförster hat Sorge um den Zustand des Waldes und mahnt zu Anstand und Besonnenheit. Da er aber in dem sonst so friedlichen Wald längst kein Gewehr mehr besitzt, kann er nur hoffen, dass die Waldhorntöne der Vernunft von allen gehört werden.

Es ist zum Heulen, meint der Wolf. (10.10.2017)



Ein Wintermärchen


Es wird langweilig im Wolfsgrabener Wald! Jetzt ist das Rotkäppchen abhanden gekommen. Für die Gesundheit der Großmutter sehe ich schwarz. Sie schwächelt und die Labungen, die Rotkäppchen trotz mancher Streitigkeiten ihr immer wieder gebracht hat, bleiben aus. Auch der Jäger ist nicht mehr ein so aktiver Gast bei der alten Dame wie früher. Und ich werde auch nicht mehr als der böse Wolf gesehen. Ich habe das Gefühl, dass mich der Jäger gerne als Jagdhund und die Großmutter lieber als Wachhund hätte. Das widerspricht aber meinem Freiheitsgefühl und die vegetarische Kost, die ich dabei zu erwarten hätte, schmeckt mit gar nicht,

meint der Wolf (01.02.2017)


Der Wolf zur Wahl


Ojojeeeeeeeeeeeeeeee! Dem Wolf ist zum Heulen! Er befürchtet eine Unterwanderung der österreichischen Tradition und Lebensart. Der erste Angriff hatte einen wesentlichen Wesenszug der Österreicher zum Ziel – die Schlamperei. Da hatten wir doch im zweiten Anlauf einen Bundespräsidenten gewählt, als plötzlich deutsche Gründlichkeit in der Durchführung verlangt wurde. Ist ja gut und recht, aber da hätte ein erhobener Zeigefinger genügt, und nicht gleich die Keule einer Anfechtung beim Gericht. Das war die zweite Attacke auf unsere Volksseele, deren Wahlspruch ja ist: „Wir wer’n kan Richter brauchen“. Ganz abgesehen vom Umstand, was das kost’. Aber das Tüpferl auf dem i ist, dass der klassische Kartenspielerspruch „Was liegt, das pickt“ nicht mehr gelten soll. Die ausgespielte Karte gilt, aber nicht die abgesendete Wahlkarte, wenn der Pick nicht pickt (picken= kleben auf Hochdeutsch). Also wird die Wiederholung verschoben, bis wieder eine Widrigkeit eintritt.

Sieht man das alles aber als Kasperltheater, so bleibt einem wenigstens die tröstliche österreichische Gewissheit „den Wurschtel kann kaner derschlagen“.

Das meint Euer Wolf (18.09.2017)


das Schicksal des Lammes


Im Parlament der Tiere fragt der Wolf: „Wollten wir nicht über das Schicksal des Lammes abstimmen? 

Wann soll das geschehen?“ 

„Morgen, bei einem Arbeitsessen“ bestimmt die Vorsitzende, Frau Schlaufuchs. 

„Gut“ meint der Wolf, „und was wird es zu essen geben?“ 

„Lammbraten“ antwortet Frau Schlaufuchs.


(01.03.2016)



Lohndumping - Der Wolf spricht mit dem Mann auf der Straße

Wolf: Guten Tag. Was ist Ihre Meinung zu Ausländern am österreichischen Arbeitsmarkt?

Mann auf der Straße: Ka guate. Der Kellner in mein Stammbeisl is a Ungar; der Installateur, der mei Badezimmer g’macht hat, a Pole; die Pflegerin von meiner Schwiegermutter is aus der Slovakei und mei Krone kaufe i bei an Bangladeschi.

Wolf: Was glauben Sie warum das so ist?

MadS: Na weil ka Österreicher um den Schundlohn arbeiten tät, den die Arbeitgeber zahlen! Da is ja g’scheiter ma is hackenstad und kassiert die Arbeitslose.

Wolf: Warum, glauben Sie, zahlen österreichische Arbeitgeber so niedrige Löhne?

MadS: Na ja, es haßt immer, die Betriebe wär’n dann net wettbewerbsfähig! Sie wissen ja, der Markt....!

Wolf: Wären Sie dafür, dass man Ausländer vom österreichischen Arbeitsmarkt ausschließt?

MadS: Selbstverständlich! Wir ha’m eh soviel Arbeitslose!

Wolf: Aber dann müssten die Arbeitgeber höhere Löhne zahlen, damit Österreicher bereit wären, diese Posten zu übernehmen.

MadS: Na eh klar.

Wolf: Aber dann wären ja diese Betriebe nicht wettbewerbsfähig und würden in Konkurs gehen. Und die Österreicher wären wieder arbeitslos!

MadS: Hm, so hab i mir des no net überlegt. Da könnten’s recht hab’n. Aber Sozialschmarotzer san’s schon alle, die Ausländer!

Wolf: Für meine Statistik: Darf ich Sie fragen wie alt Sie sind?

MadS: Sechsafufzig.

Wolf: Und Ihr Beruf?

MadS: Pensionist.

Wolf: Ich danke für das Gespräch.


Die Ausdrücke „Mann“, „Ausländer“, „Arbeitgeber“, „Arbeitnehmer“ und „Pensionist“ sind geschlechtsneutral verwendet.

(21.11.2015)


Transparenz und Bürgernähe


Aus heiterem Himmel fällt die Nachricht, dass der Bezirk Wien-Umgebung aufgelöst wird und die darin zusammengefassten Gemeinden an andere Bezirke angegliedert werden, wie in einer Klausur des ÖVP(!) Regierungsteams beschlossen wurde. Man kann durchaus der Meinung sein, dass die Auflösung des virtuellen Bezirks Wien Umgebung vernünftig sei, aber die Vorgangsweise ist alles andere als akzeptabel.

Zuerst einmal ist es eine Chuzpe, wenn unser gestrenger Landesvater im Fernsehen verkündet, dass es in NÖ nicht so läuft, wie etwa in der Steiermark, und behauptet, es seien Vorgespräche geführt worden (mit wem wurde da gemauschelt) und die Meinung der Bevölkerung sei erhoben worden (ich kenne niemand, der befragt wurde!).
Die zweite Chuzpe ist, dass die Mitglieder des Gemeinderates so kurzfristig – nämlich am 10.9. - über die Möglichkeit informiert werden, dass Wolfsgraben anstelle an St. Pölten auch an Mödling angeschlossen werden könnte. Darüber soll bereits am 14.9. ohne Information von und Diskussion mit der Bevölkerung abgestimmt werden.

Dagegen erscheinen die Landeshauptleute Voves und Schützenhöfer als Musterdemokraten.

Das meint
der Wolf (11.09.2015)


Gemeinderat und Gentleman


Wer erinnert sich an ein Gentleman Agreement? Wohl nur Gentlemen! Wer hält ein Gentleman Agreement? Wohl nur Gentlemen! (Das gleiche gilt im Sinne der Geschlechterneutralität auch für Gentlewomen).
In der letzten Generalversammlung des Vereins für Dorferneuerung war das Erinnerungsvermögen an das Gentleman Agreement, dass der Vorstand des Vereines unpolitisch besetzt werden sollte (also keine Gemeinderäte im Vorstand) nur begrenzt vorhanden. Schon bei der Gründungsveranstaltung wurde ja mit der Bestellung des Schriftführers GGR Josef Pranke eine erste Ausnahme gemacht. Seither gehen alle Aussendungen des Vereines von dessen Privatadresse aus. Inzwischen sind durch die letzte Gemeinderatswahl zwei weitere Vorstandsmitglieder zu Gemeinderäten geworden. Mit dem geplanten Ersatz des ausscheidenden Vorstandsmitglieds Silvia Beranek durch Vizebürgermeister Christian Rothbauer wäre der Vereinsvorstand endgültig zu einem Schattengemeinderat mutiert, in dem 4 Nicht-Gemeinderäten ebenso viele Gemeinderäte gegenüberstünden.
Interessanterweise erinnern sich Gemeinderäte, die den Beitritt zur Aktion Dorferneuerung mitverfolgt haben, in persönlichen Gesprächen sehr wohl an das Gentleman Agreement. Aber zu einem öffentlichen Bekenntnis dazu ist es noch weit. 


Courage ist halt gefährlich, 
​weiß der Wolf (30.06.2015)


Hack’ln statt Hackln ins Kreuz

„hackeln“ = arbeiten
                                    (Sprechen Sie Wienerisch? Peter Wehle , Ueberreuter 1980)

„Hackl ins Kreuz hauen“ = hinterrücks angreifen
                                    (http://www.ostarrichi.org/word-16268)


Sprachlich sind sie ja nicht weit entfernt – die Schwerarbeit (vgl. Hackler-Regelung) und der heimtückische Angriff. Dennoch plädiert der Wolf für eine saubere Trennung, auch wenn es nach der Gemeinde-Wahlschlacht schwer fallen mag, die Kriegsbeile (Hackln) rasch zu vergraben. Wenn schon Kreuzschmerzen, dann bitte von gemeinsamen Anstrengungen für unser Wolfsgraben. Etwas Kreide (ein altes Hausmittel der Wölfe) hilft, den rauen Ton zu glätten.
Etwas hat sich ja schon geändert mit der teilweise neuen Zusammensetzung des Gemeinderates. Einige Ideen der kleineren Fraktionen haben Chancen akzeptiert zu werden. Ist daran ein in letzter Zeit gesichteter weißer Wolf (bodenständiger Verwandter der Friedenstaube) beteiligt?


Fragt sich
Der Wolf  (25.05.2015)